Königseinholung 1953

2003 war wieder ein besonderes Jubiläumsjahr. Denn vor 50 Jahren, beim ersten Schützenfest nach dem II. Weltkrieg, entschied der damalige König Rudolf Scharnberg, der deutsche Bauer, dass die Königseinholung anders ablaufen solle als bis dahin. Und dieser neue Brauch hat sich bis heute gehalten. Zur Erinnerung an Rudolf Scharnberg haben wir seine Tochter, Elise Grunwald, geb. Scharnberg, mit ihrem Mann Christoph Grunwald zum Katerfrühstück 2003 eingeladen. Und Lisa hat  ihre Gedanken und Erinnerungen einmal für uns aufgeschrieben und sie mit Bildern von der Königseinholung 1953 zu einem kleinen Büchlein verarbeitet und uns überreicht.

Lassen wir doch Lisa selbst sprechen :

1953 - in diesem Jahr sollte zum ersten Mal nach dem Krieg wieder ein Schützenfest gefeiert werden. Der Besitz von Waffen war von den Engländern bis dahin verboten. Beim Einzug der Engländer am 1. Mai 1945 wurde Trittau von den Panzern beschossen. Davon bekamen der Schützenplatz, der Schießstand und die Schützenhalle reichlich etwas ab. Die Schützenhalle wurde wieder aufgebaut und in Eigenleistung haben die Schützen den Schießstand wieder hergerichtet. Vor dem Krieg, wenn der alte König abgeholt wurde, gab es Bier und Korn satt. Als 1934 der Meierist Heinrich Evers abgeholt wurde, standen wir Kinder bei unserer Großmutter an der Hauswand und sahen zu. Mein Vater sagte: "Bi mi ward dat anners, dat gifft Rundstück warm,  nur supen, dat geiht nich, denn könnt wi nich mehr scheiten!" So wurde ein Kalb vier Monate gemästet. Schlachter Hagedorn aus der Rausdorfer Straße hat es geschlachtet und zerlegt. Bäcker Steinbuck hat die Schinken, die Schultern und den Rücken in seinem Backofen gebraten. Der Bäcker Helmi Ulrich hat die Brötchen gebacken.  Damit viele Schützen zum Abholen kommen, erzählte er ihnen: "De Deerns von St. Pauli kommt ton bedein!" Er hatte seine Cousinen aus Hamburg eingeladen. Am Sonnabend vor dem Fest wurden Tische und Stühle vor dem Haus aufgestellt. Der Wettergott spielte mit, es war trocken und warm. Am Sonntag morgen um 7 Uhr war schon reger Betrieb. Herr und Frau Hagedorn waren in der Küche beim Fleischschneiden und Soße bereiten. Die frischen Brötchen waren angekommen. Aus der Stube hörten wir meinen Vater schimpfen: "De Snieder hett mi de verkehrte Büx geben, dat is nich mien, de is veel to lütt!"  Schnell musste einer mit dem Rad zu Schneider Meier in die Hamburger Straße fahren und die Hose tauschen. Nun ging alles sehr schnell, die Cousine waren angekommen, auch die Hilfsleute aus Trittau.  Vetter Bernhard Pünjer aus Jenfeld übernahm das Bierzapfen. Herr Soire und Herr Jessen sollten Korn ausschenken. Die Ehrenwache stand schon vor Haustür. Es waren die Schützenbrüder Herr Fischer und Herr Nohr. Schon hörten wir Musik und gleich darauf bog die Schützenkapelle um die Ecke. Der Verein hatte sich auf dem Weg aufgestellt.

Der Oberst, Herr Oelze, holte meinen Vater aus dem Haus. Der nahm dann mit dem Adjutanten Karl Krogmann die Front ab. Nun hieß er seine Schützenbrüder herzlich willkommen und bat sie, an den Tischen Platz zu nehmen. Dann wurde von 7 Damen serviert und die Kapelle spielte flotte Musik. Wo die Teller gelehrt waren, wurde Nachschub gebracht. Alle waren gut gelaunt und prosteten sich zu. Es wurde noch so manches Foto gemacht. Nach eineinhalb Stunden brachen die Schützen auf zum Umzug. Es ging durchs ganze Dorf. In der Schützenhalle angekommen, wurde gleich auf die Königscheibe geschossen.  Während die Schützen  durch die Straßen marschierten, setzten sich die Helfer zu Tisch und ließen sich das Frühstück schmecken.

Nun nach 14 Jahren, da die Königskette die Kriegs-  und die Nachkriegszeit im sicheren Versteck gut überstanden hat, konnte mein Vater sie seinem Nachfolger überreichen. Es gibt nur noch wenige Personen, die dieses Schützenfest vor fünfzig Jahren miterlebt haben.

Einige Jahre später wurde eingeführt, dass das Schießen auf die Königscheibe 15 DM kostet,  zu Gunsten für den neuen König.  Mein Vater hatte die Liste der Schützen. Er ließ keinen aus. Auch wenn einige meinten: "Wir schießen nicht so gut." Alle mussten zahlen. Mein Vater sagte: "Wenn dat nu einen Armen dröpt, wie schall hei dat betahlen, so hett hei erst mal wat ton Anfang!"

Ob das heute noch so ist, kann ich nicht sagen. Aber die Schützen sind immer noch ein fröhliches geselliges Volk.

Elise Grunwald.